Die Schlacht von Stalingrad, 1942-1943


Unvergessliche Kriegswende

Die wohl härteste Schlacht des 2. Weltkrieges dauerte von 23. August 1942 bis 2. Februar 1943 und gilt als die psychologische und symbolische Wende des Krieges. Sowohl im deutschen als auch im russischen Gedächtnis ist die Schlacht von Stalingrad unauslöschbar.

Insgesamt fielen in der Schlacht zu Stalingrad 150 000 deutsche  Soldaten, 91 000 gingen in Gefangenschaft und nur 6 000 Soldaten kehrten ungehindert zurück in ihre Heimat nach Deutschland.

Luftangriffe auf Stalingrad 1942
Luftangriffe auf Stalingrad 1942

Während Göring die Sprachregelung vom militärisch  notwendigen Opfer mit dem Hinweis auf das Opfer des Leonidas bei den Thermopylen zu verbrämen suchte, wurde die Niederlage von Stalingrad zum Symbol für die Härte der Auseinandersetzungen, für den ideologisch  motivierten „Alles oder Nichts“- Charakter  des Russlandkrieges.

 

Obwohl der bald darauf erfolgende Fall von Tunis operativ gesehen eine viel größere Niederlage darstellte und viel mehr deutsche Soldaten in Gefangenschaft  gerieten, war Stalingrad die psychologische und symbolische Wende des Krieges.

 

Schon am 23. Juli 1942 hatte Hitler in seiner Weisung Nr. 45 der Heeresgruppe B im Rahmen der deutschen Sommeroffensive im Osten die Eroberung von Stalingrad befohlen, während die Heeresgruppe A die kaukasischen Ölfelder besetzen sollte. Doch der geplante Angriff verzögerte sich.

 

Vom 1. bis 15. September drangen die 6. Armee und die 4. Panzerarmee in die Vororte Stalingrads ein. Am 18. November waren nach verlustreichen Häuserkämpfen bereits 90 % der Stadt erobert. Am 19. November begann die zangenförmige sowjetische Gegenoffensive, die am 22. November zur Einkesselung der deutschen Streitkräfte  führte.  Hitler, der die Stadt zum Symbol des deutschen Siegeswillens stilisierte, verbot dem Oberbefehlshaber der 6. Armee, Generaloberst Friedrich Paulus, jeden Ausbruch. Umgekehrt scheiterten alle Entsatzversuche.


Kapitualation vor der Roten Armee

Mit der Eroberung des Flugplatzes durch die Rote Armee am 16. Januar 1943 brach die ohnehin ungenügende Luftversorgung zusammen, die deutschen Verteidigungslinien wurden in den folgenden Tagen überrollt, die Armee in verschiedene Kessel gespalten. Die Soldaten litten an starker Unterernährung und Unterkühlung.

Soldaten der Roten Armee
Soldaten der Roten Armee

Am 31. Januar 1943 kapitulierte der Südkessel. Am selben Tag zeichnete Hitler Paulus mit dem höchsten militärischen Dienstgrad eines Generalfeldmarschalls aus, nachdem dieser umgekehrt einen Tag zuvor seinem „Führer“ telegrafisch zum zehnten Jahrestag der Machtübernahme am 30. Januar 1933 gratuliert hatte. 

 

Paulus, einst ein klassischer Repräsentant der militärischen Führungsschicht, einer der fähigsten operativen Köpfe des Generalstabs, war zu diesem Zeitpunkt ein gebrochener Mann. Er war in tiefe Lethargie verfallen, unwillig, Hitlers Befehl nach dem Freitod zu erfüllen, unfähig, die längst überfällige Kapitulation zu befehlen. Paulus begab sich am 31. Januar auf Vermittlung seines Stabschefs ausdrücklich nur als Privatperson in sowjetische Gefangenschaft, das Sterben im Nordkessel ging noch zwei Tage weiter. 

 

Für viele Zeitgenossen wurde Stalingrad zum unübersehbaren Warnzeichen dafür, dass das Gesetz des militärischen Handelns bald auf sowjetischer Seite liegen würde, dass dies der Anfang vom Ende sein könnte. Die Angehörigen der „Weißen Rose“ nahmen die Katastrophe der 6. Armee zum Anlass, um in einem Flugblatt mit der "verabscheuungs-

würdigen Tyrannis" abzurechnen. Auch andere Widerstandsgruppen nahmen Stalingrad als Anlass, um dem Missbrauch soldatischer Tugenden durch Hitler ein Ende zu setzen.

 

Goebbels versuchte, die Niederlage zur Mobilisierung für den „totalen Krieg“ zu nutzen. Für Stalin war es nicht nur ein großer Sieg über die deutsche Wehrmacht, sondern ein wichtiger Schritt zu seiner Anerkennung als gleichrangiger Partner in der Anti-Hitler-Koalition.