Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland


Die Bundestagswahl 1949

Konrad Adenauer - erster Bundeskanzler der BRD (1949-1963)
Konrad Adenauer - erster Bundeskanzler der BRD (1949-1963)

Im Sommer 1949 beginnt der Wahlkampf zum ersten Deutschen Bundestag. Er wird von den Besatzungsmächten sorgfältig beobachtet. Werden die Westdeutschen genügend demokratische Reife an den Tag legen und den radikalen Parteien von rechts und links eine Absage erteilen? Die deutschen Parteien müssen noch viel improvisieren. Es fehlt an Geld für den Wahlkampf. Plakate, Broschüren, Flugblätter – die Wahlkampfmittel bieten ein uneinheitliches Bild, da sie noch nicht zentral geplant werden. Die starke Polarisierung des Wahlkampfes zeigt sich vor allem in den Plakaten, die schwerpunktmäßig die künftige Sozial- und Wirtschaftsordnung thematisieren.

 

Mit den „Düsseldorfer Leitsätzen“, dem Partei- und Wahlprogramm der CDU, hat sich die Partei im Juli 1949 endgültig für die „Soziale Marktwirtschaft“ entschieden. Die Programmatik des „Christlichen Sozialismus“, die noch in das „Ahlener Programm“ der CDU in der Britischen Besatzungszone vom Februar 1947 Eingang fand, wird nicht weiter verfolgt. Prominentester Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft und Hauptredner der CDU ist Ludwig Erhard, der parteilose Wirtschaftswissenschaftler und Direktor der Frankfurter Verwaltung für Wirtschaft. Die SPD wirft ihm vor, kein Rezept zu haben gegen Preisanstieg und Arbeitslosigkeit. Sie setzt auf „Planung in der Spitze und die Lenkung von Krediten und Rohstoffen“ für die wichtigsten Industriezweige.

 

Am 14. August 1949 ist Wahltag. Mandate können nur Parteien gewinnen, die in einem Bundesland mindestens 5% der abgegebenen gültigen Stimmen oder ein Direktmandat auf sich verbuchen. Tatsächlich werden elf Parteien und drei unabhängige Abgeordnete in den Bundestag gewählt. Zur Überraschung vieler gewinnen CDU und CSU mit zusammen 31% knapp vor den Sozialdemokraten mit 29,2%. Auch die KPD hatte sich Chancen auf ein gutes Abschneiden ausgerechnet. Aber die Kommunisten finden mit 5,7% nur wenig Anklang bei der Bevölkerung.

 

Konrad Adenauer - erster Bundeskanzler der BRD

Angesichts der immensen Probleme und des geringen Vorsprungs der CDU/CSU liegt eine große Koalition nahe, wird aber von Konrad Adenauer, dem Vorsitzenden der CDU in der Britischen Zone, und Kurt Schumacher, dem Vorsitzenden der SPD, gleichermaßen abgelehnt. Eine Woche nach der Wahl lädt Konrad Adenauer Spitzenpolitiker der Unionsparteien, darunter auch Ministerpräsidenten der unionsgeführten Landesregierungen, in sein Haus ein. Ihm gelingt es, sein Konzept einer bürgerlichen Koalition mit der FDP (11,9%) und der Deutschen Partei (4,0%) durchzusetzen. Er selbst wird Kanzlerkandidat der Union.

 

 

Am 7. September 1949 treten in Bonn Bundestag und Bundesrat zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammen. Am 15. September 1949 wählt der Bundestag den 73-jährigen Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler. Von 402 stimmberechtigten Abgeordneten wählen ihn im ersten Wahlgang 202. Er erhält somit die absolute Mehrheit mit einer Stimme – seiner eigenen.

Wahlplakate der Parteien (v.l.: CDU, FDP, SPD)