Die Deutsche Wiedervereinigung


3. Oktober 1990 – Tag der Deutschen Einheit

Am frühen Morgen des 23. August 1990 brandet um 2.30 Uhr im Sitzungssaal der DDR-Volkskammer Beifall auf. Präsidentin Sabine Bergmann-Pohl hat soeben das Ergebnis einer Sondersitzung des ersten frei gewählten Parlaments der DDR verkündet: „Die Volkskammer erklärt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 … mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990.“ 

 

Um dieses Datum wurde hart gerungen. Der Beitritt der DDR war zwar bereits Bestandteil der Koalitions-vereinbarung ihrer letzten Regierung. Da der symbolträchtige Tag des Mauerfalls wegen der Datumsgleichheit mit der Reichspogromnacht von 1938 in Teilen der Öffentlichkeit umstritten ist, wird der Tag der ersten gesamt-deutschen Wahl, der 2. Dezember 1990, ins Auge gefasst.

 

Doch bereits Anfang August drängt Ministerpräsident Lothar de Maizière gegenüber Kanzler Helmut Kohl auf ein Vorziehen des Datums. Erbe fürchtet den baldigen wirtschaftlichen Kollaps seines Landes. Man verständigt sich auf ein Datum „so früh wie möglich“. Allerdings soll es auf Wunsch der Bundesregierung nach dem 2. Oktober liegen. Da findet die KSZE-Konferenz der Außenminister statt, auf der ihnen die Ergebnisse der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen mitgeteilt werden sollen.

Am 3. Oktober 1990 wurde um Mitternacht die Fahne der Einheit vor dem Reichstagsgebäude gehisst.
Am 3. Oktober 1990 wurde um Mitternacht die Fahne der Einheit vor dem Reichstagsgebäude gehisst.

Nachdem auch der 14. Oktober, der Wahltag zu den Parlamenten der neuen Bundesländer verworfen wird, votieren 294 der Volkskammerabgeordneten für den 3. Oktober 1990.

 

Übergangen wird ein Vorschlag Leipziger Bürgerrechtler, den entscheidenden 9. Oktober –  an dem 1989 70 000 Menschen dort friedlich demonstrierten und damit das Ende der SED-Diktatur einleiteten – zum „Tag der Deutschen Einheit“ zu erklären. 

 

Der 3. Oktober löst formal auch den, in der Bundesrepublik seit 1954 am 17. Juni gefeierten gleichnamigen Feiertag (bei dem das Adjektiv „deutsch“ allerdings klein geschrieben wurde) ab. Er war zur Mahnung an den 1953 blutig niedergeschlagenen Volksaufstand in der DDR geschaffen worden. Allerdings war das alljährliche Bekenntnis zur Nation bald zum Ritual erstarrt. Die Bürger nutzten den Tag eher für Ausflüge als für Gedenkveranstaltungen. 

 

Dem, in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1990 von Hunderttausenden vor dem Reichstagsgebäude euphorisch begrüßten Tag der Deutschen Einheit droht mittlerweile ein ähnliches Schicksal; auch wenn er noch heute jährlich in der Landeshauptstadt des Bundeslandes, das gerade den Vorsitz im Bundesrat inne hat, offiziell mit einer Feier und einem Bürgerfest begangen wird.

 

2006 ist der Tag laut einer bundesweiten Umfrage nur noch für ein Drittel der Befragten ein Anlass zum Feiern. Und bereits zwei Jahre zuvor wollte ihn Bundeskanzler Gerhard Schröder abschaffen und auf den jeweils ersten Sonntag im Oktober verlegen, um so das Wirtschaftswachstum zusätzlich anzukurbeln.

 


Unterrichtungstafel an der L1005 zwischen Thüringen und Niedersachsen
Unterrichtungstafel an der L1005 zwischen Thüringen und Niedersachsen

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