Berlin wird zur Hauptstadt Deutschlands


Die Hauptstadtdebatte 1991

Durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 wird Berlin – wie im Einigungsvertrag festgelegt – zur „Hauptstadt Deutschlands“ – eine Funktion, die es bereits von 1871 bis 1945 im Deutschen Reich hatte. Obgleich die geteilte Stadt seit Ende des Zweiten Weltkrieges eine rechtliche Sonderstellung innehatte, nannte sich der sowjetische Sektor „Hauptstadt der DDR“.

Das Reichstagsgebäude in Berlin
Das Reichstagsgebäude in Berlin

Für den Fall der Wiedervereinigung war Berlin auch von der Bundesrepublik als Hauptstadt vorgesehen. "Provisorische Hauptstadt“ als Sitz von Regierung und Parlament wurde 1949 jedoch Bonn. Nach der Vereinigung entbrennt über die Parteigrenzen hinweg eine Debatte über den Sitz von Parlament und Regierung. Befürworter Bonns argumentieren, die Entwicklung Westdeutschlands habe Bonn zum Symbol für den demokratischen Neuanfang nach 1945 und für die Westbindung werden lassen. Berlin als Hauptstadt sei durch Belastungen aus der Kaiser- und NS-Zeit geprägt. Bei den europäischen Nachbarn könne es die Sorge vor neuem Großmachtstreben Deutschlands wecken. Zudem fürchten sie die Kosten des Umzugs und der Neubauten.

 

Die Anhänger Berlins verweisen darauf, dass alle Parteien immer wieder den Stellenwert der Stadt verfochten hätten. Sie bezeichnen die Verlagerung der Hauptstadtfunktionen als Gebot der Glaubwürdigkeit. Berlin könnten auch die Ostdeutschen akzeptieren. Nach einer langen Debatte sprechen sich am Abend des 20. Juni 1991 in namentlicher Abstimmung 338 Abgeordnete für Berlin aus, 320 für Bonn. Bewegende Reden, etwa von Altbundeskanzler Willy Brandt, geben bei der Entscheidung einiger Abgeordneter den Ausschlag. 

 

Bis 2000 ziehen der Bundespräsident, die Bundesregierung, acht Ministerien, die meisten Botschaften, viele Verbände und Medienvertreter nach Berlin. Der Bundestag zieht in das Reichstagsgebäude. Auch der Bundesrat verlegt, entgegen ursprünglichem Beschluss, seinen Sitz nach Berlin. 

 

 

Einige Bundeseinrichtungen ziehen dafür nach Bonn. Außerdem erhält die Region Bonn hohe Ausgleichszahlungen. Markanter Mittelpunkt Berlins wird das Reichstagsgebäude mit der gläsernen Kuppel des britischen Architekten Sir Norman Foster.