Olympia 1936 - Die Olympischen Sommerspiele in Berlin


Das "Fest der Schönheit"

Das Luftschiff "Hindenburg" über dem Reichssportfeld
Das Luftschiff "Hindenburg" über dem Reichssportfeld

Dass die nationalsozialistischen Regisseure der Macht die olympischen Spiele von 1936 in den Dienst der Propaganda stellen und zu einem „Fest der Schönheit“ verklären würden, war zunächst alles andere als vorhersehbar.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte bereits 1931 Berlin den Zuschlag für die XI. Olympischen Spiele gegeben.

 

Die NSDAP sprach sich anfangs gegen gemeinsame Sportwettkämpfe mit „Negern und Juden“ aus, bis Hitler in der Olympiade eine große Chance sah, seinem Regime durch eine wirkungsvolle Selbstdarstellung internationale Anerkennung und zusätzliche Popularität bei der deutschen Bevölkerung zu verschaffen. 

 

Trotz der Boykottaufrufe internationaler Sportverbände und deutscher Emigranten hielt das IOC nach der nationalsozialistischen Machtergreifung und den Verfolgungs- und Boykottaktionen des NS-Regimes gegen politische Gegner und die deutschen Juden an seiner Entscheidung von 1931 fest, nachdem das Regime zugesichert hatte, die olympischen Regeln einzuhalten und auch jüdische Sportler in die deutsche Mannschaft aufzunehmen. 

 

Die Olympische Spiele in Garmisch-Partenkirchen im Winter (6.–16. Februar 1936) und im Sommer (1.–16. August) in Berlin wurden mit größtem finanziellen und organisatorischen Aufwand zu einer grandiosen ästhetisch-politischen Masseninszenierung. 

Plan Reichssportfeld
Plan Reichssportfeld

Trügerische Fassaden

Das Regime tat alles, um die Fassade einer friedlichen, weltoffenen und sportbegeisterten Nation zu errichten und dies durch neue, architektonisch moderne und monumentale Sportanlagen sowie durch ein aufwendiges und in einigen Elementen neuartiges Zeremoniell (z.B. die Einführung des olympischen Fackellaufes) zu unterstreichen. 

Blick von der Westseite in das Olympiastadion
Blick von der Westseite in das Olympiastadion

Zu der Inszenierung des schönen Scheins gehörte auch die Einbeziehung von Monumentalkunst wie der Einsatz moderner Medien des Films und (erstmalig) des Fernsehens. Davon profitierte nicht nur das Regime, sondern auch der Sport, dessen Regelwerk und Konventionen sowie dessen Breitenwirksamkeit durch die Inszenierungen von 1936 einen großen Schub erlebten.

 

Auch in der Gebrauchsgraphik scheute man sich nicht die moderne ästhetische Formensprache zu nutzen, während in der Malerei zu dieser Zeit die Verfolgung und Ausgrenzung der modernen Kunst ihren Höhepunkt erreichte. 

 

Die harte Realität des Herrschaftsalltags des Regimes blieb hinter dieser ästhetisierenden Fassade dem begeisterten nationalen wie auch internationalen Publikum weitgehend bis gänzlich verborgen.

Hetzblatt der Stürmer
Hetzblatt der Stürmer

 Für die Dauer der Spiele wurden antisemitische Parolen aus dem Straßenbild verbannt und auch der Verkauf des Hetzblattes „Der Stürmer“ wurde vorübergehend eingestellt.

 

Fast zeitgleich mit den Sportereignissen und ihren sportlich-militärischen rituellen Überhöhungen legte Hitler in einer geheimen Denkschrift zum sog. Vierjahresplan die Grundlinien der nationalsozialistischen  Rüstungspolitik und der Kriegsvorbereitungen fest.


Ein glanzvolles Ende

Als „wertvollen Schrittmacher des olympischen Gedankens“ pries der Präsident des Organisationskomitees die IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen im Februar 1936. Auch für ihn selbst, den einstigen Modellathleten und Kriegshelden Ritter von Halt, der durch den Sport einen rasanten sozialen Aufstieg vom Handwerkersohn zum geadelten Sportfunktionär und Bankier erlebt hatte, bedeutete die perfekte Organisation der Olympischen Spiele einen sportpolitischen Aufstieg im Dritten Reich. Vor allem aber waren die Winterspiele, zu denen Sportmannschaften aus 28 Nationen gekommen waren, Ouvertüre und Testveranstaltung für die Sommerspiele in Berlin im August 1936. Schließlich ging es um die Akzeptanz der Spiele im nationalsozialistischen Deutschland durch die internationale Öffentlichkeit.

 

Zwar hatte Hitler schon Ende 1932 dem Internationalen Olympischen Komitee seine grundsätzlich positive Stellungnahme zur Ausrichtung der Spiele in Deutschland gegeben, aber die Zerschlagung und Gleichschaltung des deutschen Sports und vor allem die nationalsozialistische Rassenpolitik hatten dann wieder zu einer Boykottdrohung der USA geführt.

 

Das NS-Regime, das sich der einmaligen Propagandachance bewusst war, hatte vieles für den schönen Schein einer friedlichen Gastgebernation getan: Zwei Halbjuden waren als Alibi-Juden in die Olympiamannschaft aufgenommen,

antisemitische Schilder an zahlreichen Ortseingängen – vorübergehend – verschwunden.

 

Der glänzende Erfolg der weißen Premiere tat ein Übriges. Mit mehr als einer halben Million Zuschauer hatte in Garmisch-Partenkirchen eine gewaltige, friedfertige Kulisse alle „unschönen“ Eindrücke verdeckt und ein Zeichen für den  "olympischen Friedenswillen“ gesetzt, das jeden weiteren Protest in der Weltöffentlichkeit verstummen ließ. Die Eröffnungsfeier, von den deutschen Medien als weihevolle, feierliche Zeremonie empfunden, bot den britischen und französischen Sportlern Anlass, mit dem deutschen Gruß einzumarschieren. 

 

Neben den drei Gold- und drei Silbermedaillen, die die deutsche Mannschaft errang, zeigte sich das Publikum von der Schlussfeier mit der nächtlichen Skiabfahrt der Fackelträger, dem Einholen der olympischen Fahne und dem

Riesenfeuerwerk begeistert. Auch der NS-Führung bot die glanz- und stimmungsvolle Abschlussfeier die Möglichkeit der Selbstdarstellung.

 

Hitler stand mit den „Würdenträgern des Reiches“ und seinen Gästen aus dem Ausland auf dem Balkon des Olympiahauses und ließ sich feiern. Die Ehrung der deutschen Sieger wurde zu einem Ausbruch nationaler  Begeisterung. In dem später hunderttausendfach verbreiteten Olympia-Bilderalbum heißt es: „Gewaltig aber greift es alle, die deutscher Zunge sind, ans Herz, als die deutschen Sieger geehrt werden. Deutschland-Lied und Horst-Wessel-Lied quellen in tiefer  Ergriffenheit aus den Kehlen der Hunderttausend empor.“

Hans-Ulrich Thamer


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